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Marinus Boezem

Steine sollen
klingen

Marinus Boezem ist mittlerweile ein fester Bestandteil der Kunst- und Architektur Veranstaltung Façade. Diesen Sommer ist seine in 2012 realisierte Passage bei de Koepoort zum dritten Mal auf der Liste der zu besuchenden Kunstwerke aufgenommen. Es besteht auch kein Grund, die fünfundzwanzig unter und vor dem Tor liegenden Steine das nächste Mal auszulassen.

Nach der ersten Ausgabe in 2012 beschloss die Gemeinde Middelburg das Werk zur Zufriedenheit aller zu kaufen. Mittlerweile hat es sich etwas verändert. Die aus belgischem Blaustein gehauenen Fliesen wurden vor einigen Jahren ersetzt, da sie beschädigt waren. Jetzt liegen dort fünfundzwanzig schwarze Granitsteine. Dass die Blaustein-Fliesen weichen mussten, lag daran, dass die ursprünglichen Pflastersteine vor dem Tor durch Rasen ersetzt wurden.

Fliesen raus und grün rein, das ist vielleicht ein guter Slogan für städtische Vorgärten. Aber für Marinus Boezem ist das nichts für den Vorgarten von Koepoort, auch nicht nachdem Granitplatten gelegt wurden: “Ich hatte den Entwurf der Passage auf das gelbe Klinker-Pflaster basiert, das damals dort lag. Da dieses jetzt durch einen Rasen ersetzt wurde, überwuchern die Steinplatten und kann man sie nicht mehr gut sehen. Damit ist ein wichtiger beabsichtigter Effekt verschwunden”.

Das Werk besteht aus fünfundzwanzig Fliesen. Auf der ersten unter dem Koepoort steht der Name ‘Passage 2012’ mit dem Namen des Künstlers Marinus Boezem. Auf den übrigen vierundzwanzig lesen wir die Namen von Personen, die für die Zeeländische Hauptstadt von Bedeutung waren. Eine Anzahl Architekten, wie Jan Pieter van Bauerscheit (1669-1768) aus Antwerpen, der den Entwurf des in 1739 gelieferten Koepoorts machte. Auch Jan de Munck (1687 – 1768), Stadtarchitekt und Baumeister des Koepoorts ist dort verewigt, ebenfalls die Architekten des zwanzigsten Jahrhunderts Johannes Fake Berghoef (1903-1994) und Arend Jan Rothuizen (1906 – 1990). Und auch Aldo van Eyck (1918 – 1999). Marinus Boezem: “Er entwarf mit seiner Frau Hannie ein Museum für Moderne Kunst für Middelburg, welches später Museum 13/IX genannt wurde. Das ging so lange gut, wie man über ein kulturelles Zentrum sprach wo man auch Karten spielen und Billiard spielen konnte. Als der Name Museum fiel, wurde es ein Problem. Das wäre zu elitär und zu teuer. Ach, so eine verpasste Chance”.

“Es gibt seltsame Kontraste in den Namen auf den Steinplatten”, sagt der Künstler. “Neben Königin Wilhelmina, Gouverneur Willem V und Kaiser Napoleon steht auf einmal der Name des Deutschen Künstlers Joseph Beuys, der 1970 eine Ausstellung in der Vleeshal hatte. Und Luciano Fabro, ein italienischer Künstler der Arte Povera-Bewegung, der 1987 hier an der Kunstveranstaltung Forum teilnahm”. Auch Schreiber wie Hans Warren (1921 – 2001) und J.C.J. van Schlagen (1891 – 1985) bekamen eine Platte, ebenfalls der Amerikanische Avant-Garde Komponist John Cage (1912 – 1992) und Morton Feldman (1926 – 1987), die während des Festivals von Nieuwe Muziek auftraten.

Marinus Boezem: “Ich habe keine Grabsteine niedergelegt, es ist kein Friedhof. Alle Namen sind in immer wieder anderen Formaten und Buchstabentypen wiedergegeben und es sollte heutzutage wieder über sie gesprochen werden. Die Menschen, die hier genannt werden sind Vorbilder. Sie können uns inspirieren. Es wurde schon einmal geschrieben, dass die Steine nicht zur Erinnerung, sondern ein Aufruf sind. Das finde ich schön gesagt”.

“Wenn man unter dem Koepoort steht und in Richtung Stadtzentrum schaut, dann sieht man die Fliesen vor sich wegfliegen. Diese Idee hat sich seit der kürzlich erfolgreichen Neueinrichtung des Molenwaterparks verstärkt. Von dem Poort aus hat man hierauf eine schöne Aussicht. Nur, dass auf dem Platz vor dem Poort jetzt Gras liegt, anstelle der vorherigen Steinplatten, das ist schade. Am Anfang wurden die Platten in die Natürlichkeit der Klinker mit aufgenommen. Leider habe ich zu spät an der Glocke geläutet. Aber um dem Werk alle Ehre zu erweisen, müssen sie eigentlich zurückgelegt werden.

Marinus Boezem (Leerdam, 1934) wohnt und arbeitet in Middelburg. Er wird zusammen mit Jan Dibbets und Ger van Elk als Grundleger der konzeptuellen Kunst in den Niederlanden gesehen. Seine Werke waren u.a. in dem Museum Boijmans Van Beuningen Rotterdam, dem Stedelijk Museum Amsterdam, Kröller-Müller Museum Otterlo, Van Abbemuseum Eindhoven, Museum of Modern Art und Brooklyn Museum New York, Museum of Contemporary Art Chicago, Municipal Museum of Fine Arts Kioto zu bewundern. Seine 1996 eröffnete Grüne Kathedrale in Almere – Laut Plan der Kathedrale von Reims waren 178 Italienische Pappeln geplant – wurde am 4. Juni 2022 neu restauriert. 2016 plante er hundert Pappeln auf dem Kunstlandgut der Verbeke Foundation in Kemzeke, ein Projekt, das den Titel ‘La Lumière Cistercienne Baudelo-Gent’ trägt.

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